Was ist los am Berufskolleg Gladbeck?

Besuch der Deutschen Oper am Rhein

Die Oberstufenklasse des Einzelhandels besuchte eine Ballettvorführung in der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg.
Ein Schüler berichtet...

Wir, die EHO des Berufskollegs Gladbeck, und unsere Klassenlehrerin Frau Kampen entschieden uns nach 3 Jahren gemeinsamer Schulzeit, etwas Neues auszuprobieren. Wir entschieden uns, zum letzten gemeinsamen Klassenausflug eine Ballettvorführung in der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg zu besuchen. Da die gesamte Klasse noch unerfahren mit dem Thema Ballett war, bekamen wir in der Woche vor der Vorführung Besuch von der Musiktheaterpädagogin Frau Maike Fölling. Sie erklärte uns die grundlegenden Details des Balletts, spielte uns kurze Melodien aus der uns bevorstehenden Vorführung vor und führte mit uns diverse Übungen durch, um sich in die Rolle eines Ballettdarstellers hineinversetzen zu können. Zunächst begannen wir mit Vertrauensübungen. Hierzu sollte sich jeder aus der Klasse einen Partner suchen, der seine Augen schließt und sich vom Partner durch den Klassenraum, zunächst mit Körperkontakt und dann nur durch den Klang der Stimme, führen lässt. Dann wurde es komplizierter. Jeder Schüler/Jede Schülerin bekam vier Kärtchen, mit je zwei Bewegungen und zwei Gefühlslagen. Diese sollten nun von jedem so gut wie möglich kombiniert und dargestellt werden. Daraus entstanden dann Kombinationen wie: traurig laufen oder kindlich hüpfen. Diese Kombinationen sollten dann von den Klassenkameraden erraten werden. Zum Ende hin wurde es nochmal richtig interessant. Die Klasse wurde in Vierergruppen mit je zwei Schülern und je zwei Schülerinnen aufgeteilt, um die Beziehungen zwischen vier Personen in zwei Standbildern darzustellen. Bei diesen vier Personen handelte es sich um einen Geschäftsmann, der eine Frau namens Caroline heiraten soll, um einen jungen Mann und um eine Mätresse. Das Problem zwischen diesen vier handelnden Personen war jedoch, dass sie ihre wahren Gefühle zueinander in der Gesellschaft nicht zeigen konnten. Zum Schluss hörten wir uns nochmal musikalische Auszüge aus der Vorführung an und versuchten, uns durch die musikalische Geräuschkulisse ein Bild von dem Handlungsort vorzustellen. Der Besuch der Musiktheaterpädagogin Frau Maike Fölling sollte uns Einblicke in die Handlung der bevorstehenden Vorführung geben, um das uns Gezeigte besser zu verstehen.

Wenige Tage später war es soweit, der Abend der Vorführung war da. Wir trafen uns zunächst gemeinsam vor dem Operngebäude in Duisburg und gingen dann alle zusammen zur Vorführung hinein.

Die gesamte Ballettvorführung wurde in vier einzelne Teilstücke aufgeteilt, die alle einen anderen Inhalt und eine andere Handlung besaßen. Im ersten Stück mit dem Namen ,,The leaves are fading – Pas De Deux,“ , welches von Antony Tudor komponiert wurde, war ein junges Paar zu sehen, welches Hand in Hand über die Bühne glitt und förmlich im Klang der Musik ineinander verschmolz. Dieses Stück sollte das bedingungs- sowie selbstlose Vertrauen dieses Paares darstellen.

Im zweiten Stück der Vorführung, welches den Namen ,,Five waltzes in the manner of Isadora duncan “ trug und von Frederick Ashton komponiert wurde, ging es um eine junge Frau, die in eine orangene Tunika umhüllt war und einen beeindruckenden Ausdruckstanz barfuß vorführte, der lediglich von der Melodie eines Klaviers unterstützt wurde. Sie kombinierte schnelle und langsame Bewegungen miteinander, legte zwischendurch für wenige Sekunden kurze Pausen ein und verfeinerte ihren Ausdruckstanz, indem sie Rosenblätter, welche dieselbe Farbe wie ihre Tunika besaßen, über die Bühne verteilte. Sie brachte expressive Bewegungen hinzu, welche aus ihrem Inneren kamen und schon fast ekstatisch wie ein Befreiungstanz auf den Zuschauer wirkten. Ziel dieses Stückes war es die Tanzkunst der Isadora Duncan zu vergegenwärtigen und ihr neues Leben einzuhauchen, da Isadora Duncan eine der ersten war, die sich vom klassischen Ballett absetzte und neue Wege im klassischen Ballett einschlug.

Das dritte Stück mit dem Namen ,,Jardian aux lilas,“ , welches wie das erste Stück von Antony Tudor komponiert wurde, erzählte die Geschichte von einer jungen Dame namens Caroline, welche von der Gesellschaft ,,gezwungen,“ wird, einen reichen Geschäftsmann zu heiraten. Dieser behandelt sie wie sein Eigentum, da er sie förmlich besitzen möchte. Doch Carolines Herz schlägt für einen anderen jungen Mann, mit welchem sie schon viele Jahre befreundet ist. Aus Angst vor der Gesellschaft trifft sich Caroline heimlich mit ihrer wahren Liebe und auch der Geschäftsmann besitzt eine Geliebte, die Mätresse. Die Handlung zwischen den vier Personen wurde durch je zwei Ballettpaare gespielt, welche die Gefühle der einzelnen handelnden Personen exakt zum Ausdruck brachten. Caroline, in ein weißes seidenes Kleid gehüllt und gehalten von ihrem zukünftigen Ehemann, dem Geschäftsmann, auf der einen Seite und auf der anderen Seite der attraktive junge Mann, neben der rot gekleideten Mätresse stehend. Während des Tanzes befindet sich Caroline größtenteils in den Armen des Geschäftsmannes, er drückt sie an sich, doch immer wieder wirft Caroline dem jungen Mann sehnsüchtige Blicke zu, die vom jungen Mann erwidert werden. Caroline versucht, sich vom Geschäftsmann zu lösen, doch es gelingt ihr nicht. Zwischendurch wendet sich der Geschäftsmann jedoch von seiner Caroline ab und zeigt sein Interesse der Mätresse. Befreit von ihren Sorgen, wendet Caroline sich an den jungen Mann. Sie stehen Arm im Arm und sie tanzt mit ihm weiter, jedoch mit der Angst, dass der Geschäftsmann dies mitbekommt. Sofort wird der Unterschied zwischen dem Geschäftsmann und dem jungen Mann klar. Während des Tanzes mit dem Geschäftsmann wirkt die bildhübsche Caroline verklemmt und eingeengt. Man sieht ihr an, dass sie ihn nicht will, und sie lässt sich förmlich vom Geschäftsmann über die Bühne führen. Beim jungen Mann hingegen sieht man Carolines Glück in ihren Augen. Mit ihrem Tanz zeigen sie den gemeinsamen Einklang ihrer Traumwelt und lassen sich gegenseitig voneinander in einem besinnlichen Tanz über die Bühne leiten. Dieser Partnertausch geschieht während des Stücks des öfteren. Mal tanzt Caroline mit dem Geschäftsmann und ein anderes Mal tanzt Caroline mit dem jungen Mann und der Geschäftsmann mit der Mätresse. Doch schließlich nach langem Hin und Her gibt es kein Happy End für Caroline und ihren geliebten jungen Mann, denn der Geschäftsmann nimmt Caroline letztendlich doch zur Frau.

Unterstützt wird dieses Stück durch nebenstehende Tänzer, welche die Gesellschaft darstellen sollen, und durch hochromantische Musik des Orchesters, welche die gefühlsbetonten Bewegungen der Darsteller zusätzlich unterstreichen. Jede Pose, jede Geste, die hier gezeigt wurde, ist mit Expressivität gefüllt, um den Zuschauer in die Gefühlslagen der Darsteller hineinversetzten zu können, denn genau dies war auch die Absicht des Komponisten. Der Zuschauer konnte so hautnah am Geschehen teilnehmen.

Das vierte und letzte Stück der Vorführung hieß ,,Johannes Brahms – Symphonie Nr.2 (Uraufführung)“ und wurde von Martin Schläpfer komponiert. Dieses, im Vergleich zu den vorherigen Stücken eher moderner gehaltene Stück, spielte an einem See in den Tiefen der Nacht. Die Atmosphäre ist zunächst düster und gedämpft. Auf der Bühne waren ein Dutzend Tänzer zu sehen, die alle blau-schwarz gekleidet waren und womöglich einen See darstellen sollten. Sie umringten einen gelb gekleideten Tänzer, der in der Mitte stand, und tanzten um ihn herum. Der gelbe Tänzer versuchte sich immer wieder zu befreien, was ihm auch gelang. Nach einiger Zeit kam ein weiterer rotgekleideter Tänzer mit hinzu, welcher eine negative Gestalt darstellen sollte. Dieses Stück wurde tänzerisch zunächst eher auf einer ruhigen Ebene gehalten. Die Darsteller bewegten sich nicht allzu schnell und die Musikkulisse war auch eher ruhig und beängstigend, doch mit einem Hauch von Entspannung gedeckt. Unterstützt wurde dieses Stück durch Hörnerklänge, pastorale Flöten und Oboen. Zum Ende des Stücks gingen die Lichter an, die den Einbruch des Tageslichts darstellen sollten. Der Tanz und die Musik wurden euphorischer und die dunklen Tänzer verschwanden. Der gelb gekleidete Tänzer war nun von den Gestalten der Nacht befreit und konnte sich frei bewegen.

Im Großen und Ganzen war es ein gelungener Abend. Die Balletttänzer haben die Handlung und Stimmung sehr gut dargestellt. Aber auch die Musik war sehr ansprechend und vermittelte die Stimmung der handelnden Personen sehr gut. Dank der guten Einführung der Musiktheaterpädagogin Frau Maike Fölling konnte man der Aufführung gut folgen und diese auch gut verstehen. Am Anfang waren wir kritisch gegenüber dem Ballett, aber am Ende waren wir doch positiv überrascht. Ballett ist eine sehr anspruchsvolle Theaterkunst, welche mit klassischer Musik unterlegt wird und vor allem für die Menschen interessant ist, die offen für etwas Neues sind.

verfasst von Matthias Trojahn                                                           10. Juni 2013